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Grenzenlos Kultur – Donnerstag 15.09.2011

OHRENKUSS

Mongolisch ist Mongolisch und klingt wie Mongolisch

Mongolisch Ohrenkuss GrenzenlosKultur 2

Man hört tagtäglich vieles, und das Meiste davon geht in das eine Ohr hinein und aus dem anderen sogleich wieder heraus. Wenn aber doch einmal etwas wichtig ist und hängen bleibt, aus dem Kopf nicht wieder heraus will, dann ist das: ein Ohrenkuss. Ohrenkuss ist auch ein Magazin, in dem fast alle Texte von Menschen mit Down-Syndrom erstellt werden. Alle zwei Wochen treffen sich die ca. 20 AutorInnen in Bonn zur Redaktionssitzung. Regelmäßig sind sie auf Lesungen unterwegs und stellen ihre Texte einem gespannten Publikum vor. So auch in Mainz im Innenhof des KUZ, als an einem der letzten Sommerabende unter freiem Himmel Verena Günnel, Julian Göpel und erstmals Marley Thelen aus einem Bericht einer Reise in die Mongolei vorlasen.

Im Jahr 2005 machte sich die Redaktion des Ohrenkuss auf eine Reise in die Mongolei. „Mongoloid“, so nannte man aufgrund ihres Aussehen Menschen mit Trisonomie 21, Menschen die das 21. Chromosom dreifach haben. Die allgemein anerkannte Bezeichnung ist Down-Syndrom, und „Mongoloide“ wird leider noch immer als Schimpfwort benutzt, um Menschen mit Down-Syndrom zu verletzen.

An diesem Abend in Mainz ist davon aber nichts zu spüren, denn selbstbewusst  und ohne große Umschweife fangen die drei AutorInnen an, aus den Berichten vorzulesen. Sie erzählen von Dschingis-Kahn, dem großen Eroberer, der auf Pferden ritt und oft kämpfte, und posieren einen Augenblick. Die Mongolen sind Eroberer, die im 13. Jahrhundert ein Weltreich errichtet hatten, heißt es.

17 Tage dauerte die straff organisierte Tour durch die Mongolei, in der die RedakteurInnen selbst auf Pferde stiegen und Pfeil und Bogen in die Hand nahmen. Veronika Hammel schreibt: „Das Bogenschießen war schön. Ich hab‘ die Pfeile in die Luft geschossen. Ich hab‘ den Bogen steil gehalten, ich hab‘ den Bogen in die Luft geschossen und die sind auch gut wieder gelandet.“

Die Mongolei ist weit entfernt von Deutschland und weit und lang ist auch die Landschaft in der Mongolei. Aber verbunden durch durch den Horizont, an dem für den einen die Sonne auf und für den anderen unter geht. Veronika Hammel schreibt in poetischen Zeilen:

„Die Tür der Zelten gehen in Osten auf, da geht auch die Sonne auf.

Horizont: das sind die Berge und die Wiese.

In der Mongolei gibt es viele Steppen.

Die Horizont ist am Himmel und da geht die Sonne unter.
Und am anderen Horizont geht die Sonne auf.“

Verena Günnel erzählt zwischendurch, wie sie in einem Tempel einen Mongolen fragt, ob dieser Hobbys habe. „Nee, der hat keene Hobbys“, erzählt sie flott weiter, er säße nur den ganzen lieben Tag im Tempel und meditiere. Die Leichtigkeit, mit der die Drei lesen und zwischen drin auch immer wieder kommentieren, überträgt sich auf das erheiterte Publikum. Es ist schwer zu glauben, erzählte einem jemand, dass die Fachwelt lange überzeugt war, Menschen mit Down-Syndrom könnten nicht lesen, geschweige denn schreiben. Es tut gut, dass diese Frage sich gar nicht stellt, ihr im besten Fall mit Humor begegnet wird. Wie wenn am Rande eines mongolischen Festes zwei einheimische Frauen gefragt wurden, ob ihnen das Down-Syndrom bekannt sei. Ja, sagen sie, aber das es in Deutschland als „Mongolismus“ bezeichnet wurden, darüber müssen sie herzhaft lachen und hielten es für einen ausgemachten Scherz.

Mongolisch Ohrenkuss GrenzenlosKultur 6

Weitere Infromationen unter:

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