Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Helmi’

Grenzenlos Kultur Donnerstag 15.09.

 

DAS HELMI

 

Die Verlobung in Santa Domingo

 

Plakat

 

Das Helmi ist Stammgast des Festivals „Grenzenlos Kultur“ und hat  in Mainz über die Jahre viele Fans gewonnen. Dementsprechend war der Andrang an der Abendkasse groß und kurzerhand wurde die Bestuhlung geändert bzw. einfach abgeschafft. So saß das durchweg erwachsene Publikum dicht an dicht aneinander gekuschelt auf den Podesten, wie in früheren Tagen die Kinder, wenn sie sich eine der vielen Märchenadaptionen von Das Helmi ansahen.

 

Das Helmi gründete sich 2002 in Berlin und hat sei dem unzählige Produktionen auf die Beine gestellt in der sie viele bekannte Figuren aus Schaumstoff neu ins Leben riefen. Alle Beteiligten sind immer zugleich Schauspieler, Regisseur, Musiker und Texter. Die vielen Figuren aus Fetzen, Resten und Überbleibseln werden meist durch die beiden Brüder Florian und Felix Loycke geformt  und mit einzigartigen Gesichtern versehen, die immer von einer liebevollen Naivität sprechen, so gemein auch der Charakter dahinter sein mag. In der Adaption des Kleiststoffes geht man gewohnt ironisch und frech zu Werke. In Grundzügen ist die Erzählung erkennbar, wenn auch zu Gunsten der „helmischen“ Dramaturgie schnell mal verkürzt wird.

 

Am Anfang stehen die Helmis verteilt in der Arena aus Podesten und Pappen, die ein Schiff und später ein Haus darstellen wird, und stellen in stark überzeichneten Gesten die „glitzernden Vögel Afrikas“ dar, bevor es auf dem Schiff Richtung Haiti geht. Monsieur Villeneuve, der Menschenhändler, eingeführt durch einen französische Wörter ausspuckenden Fuchs, geht über Bord und schenkt nach seiner Rettung durch Hongo Kongo (aus Congo Hoango im Original) seinem Sklaven die Freiheit. Hongo Kongo nimmt sich seine Fesseln selbst ab und mit seiner ersten Tat erschießt er seinen ehemaligen Herren. „Revolution!“, wird geschrien und die Musik wird wild, während von allen Seiten große Schaumstoffblumen sich mit in den Gesang einklinken, nur dass kurz darauf Hongo Kongo eine Kriegserklärung mit seinem Alufolienmesser in die Luft schreibt.

 

VerlobungSantoDomingo Helmi GrenzenlosKultur 2

 

Im Alltag auf der Insel ist Bebekan mit Wäsche waschen beschäftigt und singt zu heulenden Hunden auf der Veranda eine „Summertime“-Variante: „Sommerzeit – die Wäsche ist schön weiß – ich ruf den ganzen Tag – die Wäsche ist schön weiß“. Dann wird es dunkel und kleine mit Schnüren an langen Stäben befestigte Fledermäuse werden durch die Luft und übers Publikum geschleudert. Gustav kommt an das Haus und die Romanze nimmt ihren Weg. „Ich bin eine Albina und auch ein bisschen blind“, stellt sich Toni dem Gast unschuldig vor. Der reagiert  ebenso absurd: „Aber ich trage auch Kontaktlinsen.“ Nach einem kurzen Versuch, die Problematik zwischen Schwarz und Weiß und den Zwischentönen zu erörtern, geht es sogleich mit der unwirklichen Vergangenheit der beiden Verliebten weiter. Für die französische Revolution fällt die Melone aus der Guillotine und wird darauf von allen vernascht, die Blumen tauchen wieder auf und singen mit: „Sie ist eine Mulatte und sie sieht gut aus“. Die Band will dann „Don´t cry for me tonight“ zum Besten geben, aber findet nicht die richtigen Akkorde und Zeilen. Und während in all dem Chaos ein Brief verloren geht und „Wo ist der Brief?“ gerufen wird, rennt dieser als riesengroße Puppe in großartig grotesker Weise über das Schlachtfeld: „Ich bin doch hier!“ „Hoppla hier komm ich!“, und Hongo Kongo ist zurück. Für Toni wird es eng, Gustavs Schweizer Freunde, dargestellt durch eine Straußenfamilie auf kleinen Rollern machen den Tumult perfekt, der am Höhepunkt in einer posthumen Vermählung endet. Langsam kommt eine bekannte Ton-Steine-Scherben-Melodie herein: „Ich bin nicht unter, ich bin nicht über dir – ich bin neben dir“.

 

Das Helmi will sich nicht hinter den Puppen verstecken, sondern Performer und Puppen gleichzeitig und neben einander präsentieren, damit sie sich gegenseitig ergänzen können. In „Die Verlobung in Santa Domingo“ geraten die großartigen Puppen vermehrt in den Hintergrund, was sehr schade ist, da gerade in dem eigenartigen Leben der Puppen so viel Humor und Liebenswürdigkeit steckt, und die Puppen ganz besonders zu verzaubern in der Lage sind. Die stärksten Momente, ohne dabei die Schauspieler schmälern zu wollen, entstehen meist in Verbindung mit den Puppen. So wie einen Qualle, dargestellt durch eine Mülltüte an einem sich auf und ab bewegenden Stab. Der wohl schönste Moment des Abends ist erreicht, wenn zum Schluss noch einmal eine von zwei Performern bewegte Puppe auftritt: ein riesiger blauer Wal fliegt einmal quer über die Bühne und verschwindet leise wieder.


VerlobungSantoDomingo Helmi GrenzenlosKultur 1

 

Weitere Infromationen unter:

http.//www.grenzenlos-kultur.de

http://www.facebook.com/grenzenloskulturmainz

http://www.das-helmi.de

Advertisements

Read Full Post »