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Grenzenlos Kultur Montag 19.09.

THEATER AN DER PARKAUE & norton.commander.productions

Peter und der Wolf

Erstmal gibt es Musik auf die Ohren. Es viele verschiedene musikalische Stile, „und wir zeigen euch heute: Alle!“, verkünden Lutz und Ole. Los geht es mit Techno, dazu wird nur ein kleines technisches Gerät benötigt. Nun ja, Techno, sehr technisch. Das kommt gut an. Genauso wie die Videoeinspieler, in denen die beiden Musiker entsprechend der Stile verkleidet posieren.

Entstanden 1936 aus der Feder von Sergei Prokofjew soll Peter und der Wolf Kinder mit den Instrumenten des Sinfonieorchester vertraut machen. Jeder Figur bekommt ein eigenes Instrument und ein eigenes musikalisches Thema zugeordnet. Ein Sinfonieorchester gibt es hier und heute nicht, es sind ja auch beinahe 100 Jahre vergangen und in der Welt der Musikinstrumente und Stile hat sich vieles verändert. Wie gut, dass uns Ole & Lutz mal einen Überblick verschaffen.

Da wäre zum Beispiel die Landmusik, manche sagen auch Katzenmusik, dazu braucht man hauptsächlich eine Waschmaschine, also ein Waschbrett. Oder Flamenco: neben der Gitarre sind die Kastagnetten unverzichtbar. Olé! Und dann holt Lutz eine Säge hervor. Jetzt müssen wir besonders leise sein, um die Säge beim heulen zu hören. Dann kommt nach dem Volkslied die Oper, gefolgt vom Rap und als es zum Heavy Metal geht, macht sich große Zustimmung breit im jungen Publikum. „Ja! Endlich die Gitarren!“. Die Zwei-Mann-Band lässt es noch einmal richtig krachen, als dann überraschend schnell die Instrument zusammengepackt und von der Bühne geschoben werden. „Ja, Kinder, das war’s dann, mehr Stile gibt es nicht.“ Aber nicht mit uns, wir wollen mehr, und das machen wir auch lautstark deutlich. „Ihr seid ja immer noch da! Was wollt ihr?“ Was wir wollen? „Peter und der Wolf!“

Nun gut. Zu aller erst brauchen wir eine Erzählerin und die ist auch schnell gefunden. Eine Stimme aus dem Off fängt an, in die Geschichte zu leiten. Und dann, innerhalb eines Augenzwinkerns erleuchtet der Märchenwald auf der Bühne und lässt ein Raunen durch das Publikum ziehen. Auf die zuvor schwarzen Bäume werden lebendigen Zeichnungen projiziert, der Boden ist übersät mit weißen Papierschnipseln, die im Schwarzlicht geheimnisvoll glühen. Mittendrin Peter, vergnügt und gut gelaunt. In den Projektionen der Bäume erscheint ein Vogel und schwingt sich gekonnt von Ast zu Ast, dann tanzt die Katze von Baum zu Baum und lauert auf ihre Chance. Der Großvater und die Ente, alle sind sie da und aus der Musik, wild und modern, lassen sich bei genauem Zuhören viele Musikstile wiedererkennen.

Originell und besonders komisch wird es am Ende, wenn sich Ole und Lars recht unzufrieden über den Verbleib der Ente Gedanken machen. Denn bei allem Verständnis eines guten Endes bleibt in diesem Fall stets die Ente im Bauch des Wolfs, vergessen für immer. Ole möchte wenigstens eine Anleitung geben, wie man ordentlich eine Ente zubereitet, Lars ist das aber viel zu makaber. In seiner Vorstellung bekommt der Wolf Mitleid mit der Ente, die in seinem Bauch traurig quakt, und spuckt sie wieder aus. Die beiden verstehen sich daraufhin so gut, dass sie heiraten und für immer zusammen bleiben. Und wenn sie nicht gestorben sind… oder wie heißt es auch: Ente gut, alles gut.

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Grenzenlos Kultur Donnerstag 15.09.

MONSTER TRUCK

Der Glöckner von Notre Dame

GloecknerVonND GrenzenlosKultur

In Gruppen zu fünf Personen werden wir in den Saal gebeten. Von einem Ritter bekommen wir schalldichte Kopfhörer, die per Funk mit Musik bespeist sind. Sie sind an eine Schubkarre gebunden, die wir im Folgenden vor uns her schieben müssen, während wir ununterbrochen im Kreis durch den Raum pilgern. In der Mitte des ansonsten leeren Raumes steht eine vier mal fünf Meter große und einen knappen Meter tiefe Wand, vielmehr ein schmaler Kasten, aus verputzen Rigipsplatten. Auf einer Längsseite ragen auf dem Boden Gipsbeine aus der Mauer, während auf der anderen Seite ein ganzer Mensch aus Gips am oberen Ende klebt, mit dem Kopf nach unten, als habe man ihn aufgehängt. Der Saal ist gefüllt und wir bewegen uns in einem großen Ring aus Menschen und Schubkarren um die Wand herum. Kindlich verstellte Stimmen begrüßen uns über die Kopfhörer. Fünf Namen stellen sich vor und erklären, welchen Part sie beim Glöckner von Notre Dame übernehmen werden. Manuel beispielsweise will unbedingt der Ritter sein, da er das früher in der Schule schon einmal wollte, aber letztlich den Glöckner spielen musste. In dieser fröhlich, naiven Stimmung geht es weiter im Kreis. Dann werden auf beide Seiten der Mauer Ausschnitte aus Verfilmungen der Geschichte projiziert und darauf aufmerksam gemacht, dass doch eigentlich Notre Dame die Hauptfigur ist und nicht der Glöckner. Auch die Geschichte wird schnell rekapituliert. Immer weiter im Kreis, ansonsten gibt es eine Ermahnung vom Ritter.

Schließlich wird die Verfilmung mit Gina Lollobrigida und Anthony Quinn gezeigt, von Anfang an. Die Stimmen im Ohr sind verschwunden, es ist nur noch der Originalton des Films zu hören. Wir drehen uns weiter im Kreis herum, als auf beiden Seiten der Mauer das Leben anfängt zu toben. Es klopft, ein Finger dringt aus der Wand. Aus einem anderen Loch streckt sich eine Hand, reicht einer weiteren Hand einen Eimer voll Kleister. Durch tiefere Löcher wird der Eimer weiter gereicht. Die Gipsbeine fangen an sich zu bewegen ein in einem weißen Maler-Overall verkleideter Performer befreit sich aus der Mauer. Aus der Wand fallen Gipsrollen. Augen schauen aus der Wand, eine Zange kommt zum Vorschein, die rabiat an der Vergrößerung des Lochs arbeitet. Eine Performerin versucht, ihren Kopf herauszustrecken. Über einem Motorradhelm trägt sie eine Perücke mit langem, gelocktem Haar. Die Mauer wird mit Gipsrollen und Kleister wieder geflickt, aus neuen Löchern erscheinen weitere Gegenstände. Eine Klingel schaut heraus und wird geläutet. Ein Mikrofonständer, darauf ein Mikrofon und anschließend nach und nach gelb blinkende Bauleuchten verlassen die Mauer, in einem Halbkreis wird alles aufgestellt. Ein anschwellender Bass wummert aus den Lautsprechern im Saal, eine unverständliche Mischung aus Baulärm, Glocken und Flugzeuggeräuschen. Esmeralda steht in einem langen, dunkelroten und mit Stehrock versehen Kleid an der Mauer. Hände sprühen ihr Haarlack auf die Perücke. Mit dem Ritter posiert sie wie ein Brautpaar.

Esmeralda wird majestätisch auf einer Schubkarre im Kreis gefahren. Zwischen den Bauleuchten umgarnen und umarmen sie sich. Ihm wächst ein Buckel, immer größer. Ein Priester ist aus der Wand gekrochen. Quasimodo reicht Platten nach draußen, der Priester vernagelt die Löcher damit und schließt Quasimodo wieder ein. Musik ertönt durch Lautsprecher und Kopfhörer, Esmeralda Dance me to the end of love. Ein beinah unhörbare Stimme macht daraus ein Duett. Der Zug aus Schubkarren kommt zum Erliegen. Die Performer verlassen den Raum und ziehen um das Gebäude, gefolgt vom Publikum, bis es sich langsam auflöst. In der Ruhe nach dem Sturm schmerzen die Beine. Fragen kommen auf, ob der vielen Eindrücke erscheinen sie aber nicht wichtig. Bisweilen überfordert und bisweilen gefesselt, so dass man regelrecht alles um sich herum vergaß, war man abgetaucht an einen seltsamen Ort. Wo immer dieser Ort auch gewesen sein mag.

GloecknerVonND GrenzenlosKultur

 

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Grenzenlos Kultur Donnerstag 15.09.

 

DAS HELMI

 

Die Verlobung in Santa Domingo

 

Plakat

 

Das Helmi ist Stammgast des Festivals „Grenzenlos Kultur“ und hat  in Mainz über die Jahre viele Fans gewonnen. Dementsprechend war der Andrang an der Abendkasse groß und kurzerhand wurde die Bestuhlung geändert bzw. einfach abgeschafft. So saß das durchweg erwachsene Publikum dicht an dicht aneinander gekuschelt auf den Podesten, wie in früheren Tagen die Kinder, wenn sie sich eine der vielen Märchenadaptionen von Das Helmi ansahen.

 

Das Helmi gründete sich 2002 in Berlin und hat sei dem unzählige Produktionen auf die Beine gestellt in der sie viele bekannte Figuren aus Schaumstoff neu ins Leben riefen. Alle Beteiligten sind immer zugleich Schauspieler, Regisseur, Musiker und Texter. Die vielen Figuren aus Fetzen, Resten und Überbleibseln werden meist durch die beiden Brüder Florian und Felix Loycke geformt  und mit einzigartigen Gesichtern versehen, die immer von einer liebevollen Naivität sprechen, so gemein auch der Charakter dahinter sein mag. In der Adaption des Kleiststoffes geht man gewohnt ironisch und frech zu Werke. In Grundzügen ist die Erzählung erkennbar, wenn auch zu Gunsten der „helmischen“ Dramaturgie schnell mal verkürzt wird.

 

Am Anfang stehen die Helmis verteilt in der Arena aus Podesten und Pappen, die ein Schiff und später ein Haus darstellen wird, und stellen in stark überzeichneten Gesten die „glitzernden Vögel Afrikas“ dar, bevor es auf dem Schiff Richtung Haiti geht. Monsieur Villeneuve, der Menschenhändler, eingeführt durch einen französische Wörter ausspuckenden Fuchs, geht über Bord und schenkt nach seiner Rettung durch Hongo Kongo (aus Congo Hoango im Original) seinem Sklaven die Freiheit. Hongo Kongo nimmt sich seine Fesseln selbst ab und mit seiner ersten Tat erschießt er seinen ehemaligen Herren. „Revolution!“, wird geschrien und die Musik wird wild, während von allen Seiten große Schaumstoffblumen sich mit in den Gesang einklinken, nur dass kurz darauf Hongo Kongo eine Kriegserklärung mit seinem Alufolienmesser in die Luft schreibt.

 

VerlobungSantoDomingo Helmi GrenzenlosKultur 2

 

Im Alltag auf der Insel ist Bebekan mit Wäsche waschen beschäftigt und singt zu heulenden Hunden auf der Veranda eine „Summertime“-Variante: „Sommerzeit – die Wäsche ist schön weiß – ich ruf den ganzen Tag – die Wäsche ist schön weiß“. Dann wird es dunkel und kleine mit Schnüren an langen Stäben befestigte Fledermäuse werden durch die Luft und übers Publikum geschleudert. Gustav kommt an das Haus und die Romanze nimmt ihren Weg. „Ich bin eine Albina und auch ein bisschen blind“, stellt sich Toni dem Gast unschuldig vor. Der reagiert  ebenso absurd: „Aber ich trage auch Kontaktlinsen.“ Nach einem kurzen Versuch, die Problematik zwischen Schwarz und Weiß und den Zwischentönen zu erörtern, geht es sogleich mit der unwirklichen Vergangenheit der beiden Verliebten weiter. Für die französische Revolution fällt die Melone aus der Guillotine und wird darauf von allen vernascht, die Blumen tauchen wieder auf und singen mit: „Sie ist eine Mulatte und sie sieht gut aus“. Die Band will dann „Don´t cry for me tonight“ zum Besten geben, aber findet nicht die richtigen Akkorde und Zeilen. Und während in all dem Chaos ein Brief verloren geht und „Wo ist der Brief?“ gerufen wird, rennt dieser als riesengroße Puppe in großartig grotesker Weise über das Schlachtfeld: „Ich bin doch hier!“ „Hoppla hier komm ich!“, und Hongo Kongo ist zurück. Für Toni wird es eng, Gustavs Schweizer Freunde, dargestellt durch eine Straußenfamilie auf kleinen Rollern machen den Tumult perfekt, der am Höhepunkt in einer posthumen Vermählung endet. Langsam kommt eine bekannte Ton-Steine-Scherben-Melodie herein: „Ich bin nicht unter, ich bin nicht über dir – ich bin neben dir“.

 

Das Helmi will sich nicht hinter den Puppen verstecken, sondern Performer und Puppen gleichzeitig und neben einander präsentieren, damit sie sich gegenseitig ergänzen können. In „Die Verlobung in Santa Domingo“ geraten die großartigen Puppen vermehrt in den Hintergrund, was sehr schade ist, da gerade in dem eigenartigen Leben der Puppen so viel Humor und Liebenswürdigkeit steckt, und die Puppen ganz besonders zu verzaubern in der Lage sind. Die stärksten Momente, ohne dabei die Schauspieler schmälern zu wollen, entstehen meist in Verbindung mit den Puppen. So wie einen Qualle, dargestellt durch eine Mülltüte an einem sich auf und ab bewegenden Stab. Der wohl schönste Moment des Abends ist erreicht, wenn zum Schluss noch einmal eine von zwei Performern bewegte Puppe auftritt: ein riesiger blauer Wal fliegt einmal quer über die Bühne und verschwindet leise wieder.


VerlobungSantoDomingo Helmi GrenzenlosKultur 1

 

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Grenzenlos Kultur – Donnerstag 15.09.2011

OHRENKUSS

Mongolisch ist Mongolisch und klingt wie Mongolisch

Mongolisch Ohrenkuss GrenzenlosKultur 2

Man hört tagtäglich vieles, und das Meiste davon geht in das eine Ohr hinein und aus dem anderen sogleich wieder heraus. Wenn aber doch einmal etwas wichtig ist und hängen bleibt, aus dem Kopf nicht wieder heraus will, dann ist das: ein Ohrenkuss. Ohrenkuss ist auch ein Magazin, in dem fast alle Texte von Menschen mit Down-Syndrom erstellt werden. Alle zwei Wochen treffen sich die ca. 20 AutorInnen in Bonn zur Redaktionssitzung. Regelmäßig sind sie auf Lesungen unterwegs und stellen ihre Texte einem gespannten Publikum vor. So auch in Mainz im Innenhof des KUZ, als an einem der letzten Sommerabende unter freiem Himmel Verena Günnel, Julian Göpel und erstmals Marley Thelen aus einem Bericht einer Reise in die Mongolei vorlasen.

Im Jahr 2005 machte sich die Redaktion des Ohrenkuss auf eine Reise in die Mongolei. „Mongoloid“, so nannte man aufgrund ihres Aussehen Menschen mit Trisonomie 21, Menschen die das 21. Chromosom dreifach haben. Die allgemein anerkannte Bezeichnung ist Down-Syndrom, und „Mongoloide“ wird leider noch immer als Schimpfwort benutzt, um Menschen mit Down-Syndrom zu verletzen.

An diesem Abend in Mainz ist davon aber nichts zu spüren, denn selbstbewusst  und ohne große Umschweife fangen die drei AutorInnen an, aus den Berichten vorzulesen. Sie erzählen von Dschingis-Kahn, dem großen Eroberer, der auf Pferden ritt und oft kämpfte, und posieren einen Augenblick. Die Mongolen sind Eroberer, die im 13. Jahrhundert ein Weltreich errichtet hatten, heißt es.

17 Tage dauerte die straff organisierte Tour durch die Mongolei, in der die RedakteurInnen selbst auf Pferde stiegen und Pfeil und Bogen in die Hand nahmen. Veronika Hammel schreibt: „Das Bogenschießen war schön. Ich hab‘ die Pfeile in die Luft geschossen. Ich hab‘ den Bogen steil gehalten, ich hab‘ den Bogen in die Luft geschossen und die sind auch gut wieder gelandet.“

Die Mongolei ist weit entfernt von Deutschland und weit und lang ist auch die Landschaft in der Mongolei. Aber verbunden durch durch den Horizont, an dem für den einen die Sonne auf und für den anderen unter geht. Veronika Hammel schreibt in poetischen Zeilen:

„Die Tür der Zelten gehen in Osten auf, da geht auch die Sonne auf.

Horizont: das sind die Berge und die Wiese.

In der Mongolei gibt es viele Steppen.

Die Horizont ist am Himmel und da geht die Sonne unter.
Und am anderen Horizont geht die Sonne auf.“

Verena Günnel erzählt zwischendurch, wie sie in einem Tempel einen Mongolen fragt, ob dieser Hobbys habe. „Nee, der hat keene Hobbys“, erzählt sie flott weiter, er säße nur den ganzen lieben Tag im Tempel und meditiere. Die Leichtigkeit, mit der die Drei lesen und zwischen drin auch immer wieder kommentieren, überträgt sich auf das erheiterte Publikum. Es ist schwer zu glauben, erzählte einem jemand, dass die Fachwelt lange überzeugt war, Menschen mit Down-Syndrom könnten nicht lesen, geschweige denn schreiben. Es tut gut, dass diese Frage sich gar nicht stellt, ihr im besten Fall mit Humor begegnet wird. Wie wenn am Rande eines mongolischen Festes zwei einheimische Frauen gefragt wurden, ob ihnen das Down-Syndrom bekannt sei. Ja, sagen sie, aber das es in Deutschland als „Mongolismus“ bezeichnet wurden, darüber müssen sie herzhaft lachen und hielten es für einen ausgemachten Scherz.

Mongolisch Ohrenkuss GrenzenlosKultur 6

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Das GRENZENLOS KULTUR Festival in seiner 13. Ausgabe im KUZ, Mainz.

 

Vom 8. bis zum 25.09.2011 im KUZ, Mainz.

Rui Horta/Grupo Dancando com a Diferenca

Bei seiner Gründung 1997 war „Grenzenlos Kultur“ das erste Festival für Kunst von Menschen mit geistiger Behinderung im deutschsprachigen Raum. Auch heute noch gehört die Inklusion behinderter Künstler bei „Grenzenlos Kultur“ zum Selbstverständnis, doch längst ist das Lebenshilfe-Festival weit mehr als das: Es ist eine höchst lebendige Plattform für ungewöhnliche, nicht selten experimentelle, immer auch gesellschaftspolitisch motivierte Kunst- und Theaterformen.

Als Projekt zum Kultursommer-Motto 2011 „Natürlich Kultur“ versammelt „Grenzenlos Kultur“ in seiner 13. Ausgabe Arbeiten, die die vermeintliche „Natürlichkeit“ unserer (westlichen) Leitkultur hinterfragen, unsere vorherrschenden Lebensstile, Wertesysteme und Verhaltensmuster auf die Probe stellen und sich weigern zu glauben, dass die beste aller möglichen Welten bereits entdeckt ist. Denn, wie es bei Kleist heißt, „das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist.“

Eröffnet wird das Festival mit einer atemberaubenden Choreografie des Portugiesen Rui Horta. Ihr Titel – „Beautiful People“ – ist im doppelten Sinn zu verstehen: als ironische Absage an die Unmenschlichkeit unserer Hochglanzmagazine und als Liebeserklärung an die Schönheit der unperfekten Körper, in der ein durchaus utopischer Moment liegt. Der Gruppe, mit der Rui Horta zusammengearbeitet hat – Dançando com a Diferença aus Madeira – widmet das diesjährige Festival einen eigenen Schwerpunkt.

Kaum etwas eignet sich besser, unserer Zivilisation den Spiegel vorzuhalten, als die Figur des „Wilden“ – der natürlich selbst Produkt und Projektionsfläche dieser Zivilisation ist. Gleich mehrere Arbeiten nehmen ihn zum Ausgangspunkt: In den Vorurteilen, denen die Redakteure von Ohrenkuss nachgehen, ist dieser Wilde wahlweise „mongoloid“ oder mongolisch, in der Kindertheaterproduktion des Theaters an der Parkaue ist er ein Wolf und bei der Berliner Puppenbühne Das Helmi steigert er sich zum Wahnbild des Menschenfressers. Die Performancegruppe Monster Truck lädt die Zuschauer dazu ein, sich in seine Situation – als „Glöckner von Notre Dame“ – zu begeben, als Filmmonster King Kong wird er gleich in drei Variationen unter drei unterschiedlichen Aspekten „angeeignet“, und in der diesjährigen Festivaleigenproduktion „TuiaviiTours Mainz – Die Papalagi-Stadtrundfahrt“ wird der Spieß vollends umgedreht: Die Wilden, die besichtigt werden sollen wie Tiere auf einer Safari, sind wir hier in unserem alltäglichen Lebensumfeld.

Die Compagnie Création Ephémère aus Frankreich beschäftigt sich in „Variations Antigone“ mit unserer viel gepriesenen Handlungsfreiheit und die Produktion „Black Tie“ von Rimini Protokoll mit einem Körper, der in Osnabrück bei deutschen Eltern aufgewachsen ist, obwohl er koreanisch aussieht. Mit dem Baltazar Theater aus Budapest ist erstmalig eine integrative Theatergruppe aus Osteuropa zu Gast bei „Grenzenlos Kultur“. Ganz ohne Worte verstehen sie in ihrer Arbeit „Picasso – Die Erschaffung der Welt“ die Vertreibung aus dem Paradies als Herausforderung, ein Eden jenseits von Eden zu schaffen.

Abgerundet wird das Programm mit zwei Doppelkonzerten, die uns auf ihre Weise dem Paradies ein Stück näher bringen: Mit Richard Bawin und Jim Avignon geben sich zwei eigenwillige Gesamtkunstwerker die Klinke in die Hand, deren Musik neben allen anderen Qualitäten auch noch extrem gut tanzbar ist. Percujam und die 17 Hippies bringen in ihren Konzerten die unterschiedlichsten musikalischen Kulturen unter einen Hut und dann zum Abheben. In diesem Sinne: Tür auf!

 

Bildschirmfoto 2011 09 15 um 18 03 20

Programmheft zum Download

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