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Archive for the ‘Universität’ Category

Motivation?

Ich sitze in einem Vortrag, der mich mit steigender Rasanz mit aufbegehrenden Fragen bombadiert. Naiv und unvoreingenommen zu Beginn, dann meißtenteils überfordert zum Ende hin, aber auch begeisert, verwundert. Am Ende dann die Nachfrage nach Nachfragen. Aber wo würde man anfangen wollen. Lieber erst mal in sich arbeiten lassen. Dann der ältere Herr in der Reihe hinter mir. Tippt mit den Füssen gegen meinen Stuhl und murmelt „los ihr jungen Leute“.

Kann ich das als Motivation begreifen? Dem Umstand geschuldet, ein Saal mit größtenteils alten Menschen und einem Vortrag über den Modernen Krieg und die Perversitäten aktueller Grundstrukturen, möchte man aufspringen und Fragen stellen, möchte Behauptungen loswerden, will laut sein. Vielleicht braucht es irgendwann nur einen kleinen Anstoss. Oder anders gefragt, wie viele Anstösse braucht der Mensch eigentlich? Aber vielleicht möchte man auch nicht, vielleicht ist man überfordert und vielleicht haben die Alten nur keine Lust mehr Fragen zu stellen und verweisen nur gerne auf die Jugend. Wie auch immer, Untätigkeit ist immer die fatale Entscheidung, denn dann bleibt alles beim Alten.

Warum glauben sie, dass wir uns Alten so abmühen? Damit sie Jungen uns überholen können!“ – Mainzer Professor

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In Europa werden zunehmend an Universitäten und Hochschulen durch Studenten Hörsäle besetzt. So nun auch in Mainz geschehen. Sie besetzen einen Raum im Atrium Maximum. Wie sehr diese Form des Protestes ankommt, zeigt die Reaktion des Präsidenten, der darum bittet, doch einen anderen Raum zu besetzten, um wichtige Veranstaltungen nicht zu stören. Das klingt ganz nach der Zustimmung des Präsidenten zur Besetzung und es bestätigt sich, als es heißt, dass er die Aktion dulde. Das klingt nach einem Alptraum:  Protest wird geduldet. Wenn der Nachbar wieder mal Sonntag morgens seine Flaschen im Hof in den Container wirft, na gut, das kann man dulden. Aber wenn man etwas grundlegend verändern will und man mit versuchten radikalen Methoden g e d u l d e t  wird, dann kann etwas nicht stimmen. Kann es sein, dass Protest in seiner bekannten Form nicht mehr funktioniert? Weil es vielleicht einerseits eine kalkulierte Möglichkeit ist oder anderseits einfach schon bekannt ist, als dass man noch überrascht wäre. Es scheint schon zu sehr dazuzugehören, zum allgemeinen Schaffensprozess von Institutionen.  Man kann es vielleicht modern einen Schutz von Minderheiten nennen, wenn man die Leute protestieren lässt, und sie dabei am besten auch noch unterstützt. Wir wollen ihnen keine wirklichen Steine in den Weg legen, sonst werden sie tatsächlich noch radikal. Das ist die Demokratisierung: Solang nicht mindestens mehr als die Hälfte aller aufsteht und Veränderungen fordert, wird sich nichts ändern. So lange kann man die wenigen, die sich beschweren, machen lassen, denn man wird sie eher belächeln. In Mainz allein gibt es gut 34.000 Studenten. Zu einer Demonstration kommen vielleicht sogar noch eine Handvoll Leute, aber wenn es darum geht, sich wirklich laut zu machen, bleiben die meisten lieber stumm. Aber warum? Weil sie sich vielleicht doch nicht zu beklagen haben, weil sie es nicht besser wissen oder weil sie Angst haben, oder keine Lust? Am häufigsten kommt das Argument, dass man eh nichts ausrichten kann. Als Einzelner kann nichts machen, also als Einzelner lieber weitermachen wie bisher. Wenn wir eine kleine Gruppe von Menschen haben, die auf die Barrikaden geht, fällt es leicht, ihr ein spezielles Interessentum vorzuwerfen. Warum soll man etwas ändern, wenn nur eine Minderheit eine Änderung fordert? Und wenn die Forderungen doch Sinn machen, warum nicht für sie eintreten? Es gibt verschiedene Möglichkeiten: die Forderungen machen keinen Sinn oder sie machen Sinn und keiner weiß davon oder will davon wissen, etc. Wenn selbst das Protestieren nichts mehr hilft, weil es mit zum System gehört, wie will man dann noch protestieren? Ist es denn wirklich alles so grau in grau, dass man noch nicht mal mehr überhaupt einen Feind hat, bzw. sich diesen permanent erschaffen muss/müsste. Wenn d i e Studierenden nicht wollen, warum dann für sie kämpfen? Denn wenn sie wollen würden, könnten sie vieles ändern. Nur gibt es kein S i e . Es gibt nur Individuen. Und als Individuum hat man einen schweren Stand. Aber als Gemeinschaft hat man die nötige Kraft. Nur wird es eine solche Gemeinschaft nie geben. Wie will man 34.000 Menschen auf einen Nenner bringen und wie will man 34.000 Menschen dazu bringen, sich für etwas stark zu machen was vielleicht nur 10.000 wirklich sichtlich helfen würde. Man stelle sich vor, eine gesamte Studierendenschaft nutzt die größte Macht, die sie hat: ihr Studienplatz. Man stelle sich vor 34.000 Studenten exmatrikulieren sich gemeinsam, weil sie sagen: diese Umstände wollen wir nicht länger tragen. Wir zahlen der Uni keine Gebühren mehr und unserer Studienplatz bringt auch keine Staatsförderung mehr, weil es ihn nicht mehr gibt. Wie lange will sich eine Uni erhalten, wenn sie keine Studenten mehr hat. Wer geht dann vielleicht auf wen zu. Aber wie sollte es dazu kommen? Das ist ja zu radikal, zu utopisch. Schon gar nicht ökonomisch, denn schließlich sind wir schon zu angepasst und nach allem wollen wir immer noch einen Abschluss machen können. Ist das so? Es wäre sehr traurig, wenn die Zustände an den Universitäten wirklich untragbar geworden sind, und nichts passiert. Das W i r könnte als solches etwas unternehmen. Aber das W i r  guckt größtenteils lieber zu und scheint zufrieden.

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Universum

Universität, du bist wie das Universum, so groß, man meint sich nur verlaufen zu müssen. So große Weiten, bis es dann knallt, ein neues Forschungsgebiet dir entspringt wie ein neuer Planet, ein neuer Gedanke, um diesen sich dann für ewige Zeiten alles herum dreht. Beständig im Kreis, und man mag sich der Anziehung auch nicht entlocken. Ein neuer Gedanke wäre schön, aber ein Knall nicht absehbar und viele Runden sind noch zu kreisen um den Planeten Publizierte Schrift.

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Es gibt an der Mainzer Universität angeblich einen Studenten der Theologie der sein Fach bereits seit über 100 Semstern studiert. Er dürfte demnach über siebzig Jahre alt sein und nicht nur seine Kommilitonen, sondern jeden an der Universität überaltert haben. Wenn es ihn gibt, dann möchte ich gerne an ihm vorbeispazieren und meinen Hut vor ihm ziehen.

Denn ich sehe nur zwei Möglichkeiten eines so langen Studiums. Nur um das schöne Leben eines Studenten willen kann es nicht mehr sein, so lange hält man das nicht aus. Gemütlich bei seiner Mutter wohnen kann er auch nicht mehr. Er studiert Theologie. Worum geht es in der Religion? Um Glauben. Und worum geht es in der Wissenschaft? Um Wissen. Der gute Mann möchte einen Punkt klar machen: Es ist unmöglich Theologie zu studieren. Religion und Wissenschaft sind ein Widerspruch, den man nicht innerhalb einer Regelstudienzeit von 5 Jahren bewältigt. Wenn überhaupt. Wie kann man etwas wissen, dass sich durch Glauben manifestiert. Richtig, die Theologie ist nicht die Religion, um polemisch zu bleiben. Aber wie kann ich etwas erklären (und dem nach wissen) wenn es nicht zu erklären ist (da ich nur daran glauben kann). Aber lassen wir die Theologie mal beiseite.

Der gute Mann hat das Problem der Universität erkannt. Man kann ein wissenschaftliches Studium nicht beenden. Du kannst einen Abschluss machen; zur Zeit hat man sogar richtig viel Auswahl. Aber wie will jemand behaupten, er hätte „Das Studium der Mathematik“ beendet? Warum wird schon seit einer gefühlten Ewigkeit an der Mathematik studiert? Es lässt sich einfach nicht beenden. Die Universität ist wie eine Haftanstalt in verkehrtem Sinne: Wer behauptet er weiß genug (ach ja?), der darf gehen. Wer meint man kann gar nicht genug erfahren, der muss dableiben und weitermachen. Der darf dann forschen weiterstudieren. Wieso gibt es den Dozenten? Aus praktischen Gründen. Aber eigentlich sind alle aus dem gleichen Ziel da, sie wollen mehr wissen. Sie wissen, dass es weitergeht, auch wenn es nicht mehr weiterzugehen scheint (da kommt wieder der Glaube ins Spiel).

Nun stell dir mal vor, wir sind alle so drauf. Studieren bis letztendlich der Lauf der Dinge uns sagt, dass Schluss ist. Wer weiß, was es dann noch wiederum alles zu erfahren gibt und wie die Welt bis dahin aussehen würde.

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Alte Zeiten

Es hing einmal ein Zettel vor dem Vorlesungssaal:

„Vorlesung fällt aus. Bin nicht mit dem Denken fertig geworden“

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Wie soll noch Widerstand entstehen, in einer Welt, in der es statt Schwarz und Weiss und nur noch Graustufen gibt, wenn nicht einmal das Bewusstsein für Autoritäten existiert. In einem Hörsaal müssen nur die Worte „nächste Woche“ fallen und schon wird unter lautem Getöße zusammengepackt. Nicht einmal dort wo es angebracht wäre Autoritäten zu respektieren, lässt sich Respekt erkennen. Wenn ich nicht einmal um meine Situation in einer bestimmten Hierachie weiß, wie soll ich jemals erkennen können, dass ich mich im gegebenen Fall dagegen auflehnen sollte. Wozu noch Widerstand leisten, wenn sowieso alles gleichgültig ist.

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